Das Bautagebuch - immer noch Hochbau...

So langsam wird es was mit Timmerbruch-Ost! Nach dem Freiladegleis sind nun auch die Güterschuppen weitgehend fertig. Da sie von verschiedenen Firmen genutzt werden, ist die Ausstattung unterschiedlich. Links (noch ohne Dach) ist der große Bierverlag Carl-Theodor Reichlich dazu gekommen (Reichlich - die ganze Welt des Bieres)...

...denn für meine vielen Bierwagen braucht es natürlich auch eine Begründung!

Die Firma hat sogar einen eigenen Gleisanschluss, allerdings ist das die Verlängerung des Schuppengleises - eine unglückliche aber nicht zu ändernde Baulichkeit, die viel zusätzliche Rangierarbeit bedeutet. Aber die Rangierer fluchen nicht, letztlich spendiert Reichlich immer reichlich Naturalien für den Feierabend...

Die ganze logistische Last der Rangierarbeit wird vom Stellwerk TbO geschultert - Timmerbruch-Ost - die Beleuchtung muss ich noch deutlich abdunkeln. Ich habe das Kabel daher extra geführt, da kommt noch ein Widerstand ´rein.

Ach so, der Grund für den hohen Speicher am Schuppengleis rechts ist schnell erläutert...

...dahinter befindet sich ein Ausschnitt, um das Fenster öffnen zu können. Zu diesem Zweck ist die Beleuchtung an der Rückwand und nicht im Gebäude befestigt. So kann der Speicher ohne Kabelsalat schnell entfernt werden wenn gelüftet werden soll.

Der erste Lasercut-Bausatz - erkannt? Ottbergen, das Stellwerk mit der charakteristischen Kanzel wird hier als Tbf den gesamten Verkehr im Bahnhof regeln. Was soll ich sagen? Licht und Schatten. Ich war überrascht über die äußerst präzisen Kartonteile, da können sich manche Kunststoffbausätze eine Scheibe abschneiden. Andererseits ist halt Pappe und erst recht die tw. dünnen Papierteile nicht wirklich optimal für manche Nachbildung und es war manchmal ein echtes Gewürge. Aber ganz gut geworden, für meine Ansprüche jedenfalls reicht es.

Und auch hier geht es weiter - der letzte "weiße Fleck" auf der Landkarte wird jetzt auch bebaut: die Kiste mit Gleis- und Weichenmaterial wandert wieder nach vorn, drei Weichen sind montiert, die Antriebe angebracht und getestet: alles läuft! Herzstückpolarität inklusive.

Nur links kann es noch nicht weitergehen, diese beiden Gleise laufen auf eine herausnehmbare Platte, die werde ich erst später verlegen. Die Weiche und damit Antrieb und alle Anschlüsse sind noch auf dem ortsfesten Teil installiert. Die Kabel für das herausnehmbare Stück beschränken sich dann auf den Fahrstrom für die beiden Gleise und - je nach Bebauung - zwei oder drei Litzen für etwaige Beleuchtungszwecke.

LED-Lichtleisten gibt es inzwischen für´n Appel und ´n Ei - nur passen sie in ihren Abmessungen meistens nicht und man muss sie also entsprechend kürzen. Kein Problem, die möglichen Schnittstellen sind deutlich markiert. Was ich nicht wusste und durch einen Test herausgefunden habe: man kann sie nicht nur kürzen und wieder verbinden und auch verlängern, man kann sie auch in Sternschaltung anschließen. Dadurch konnte ich nun mehrere Stück der langen Leiste an verschiedenen Stellen einsetzen. Teil IV (unter einem Oberschrank immer im Schatten) hat nun endlich eine gute Beleuchtung bekommen und für Teil V blieb auch noch genug Licht-Power übrig.

Einzige Schwierigkeit beim Teilen und Wiederverbinden sind die winzigen Lötstellen. Aber mit Ruhe und einem kleinen Kolben geht das gut, meine Lötstation hat sich hier mal wieder bewährt. Die Leisten selbst habe ich auf Aluschienen geklebt, dadurch ist auch eine gute Wärmeabfuhr gewährleistet. Und nun wird auch Teil IV gut ausgeleuchtet, ohne Schatten vor dem Hintergrund. Ach so: wenn die beiden entlaufenen Einhörner irritieren: die haben meine Enkel höchstselbst gestaltet, sie sollen künftig auf der Weide die Kühe und Kälber bewachen. Passen nicht ganz in Epoche III, aber was tut der "Oppa" nicht alles für seine Enkel... Und der Deutz-Ackerschlepper übrigens ist genau das Modell, mit dem ich als lederbehoster Jäust bei meinen Verwandten in der Soester Börde herumgefahren bin, auf dem Kindersitz hockend mit meinem Onkel Herbert, Stunde um Stunde gepflügt - jetzt habe ich auch die passenden Figuren gefunden um die Szene nachzubauen. Und der rote Citröen AK - den habe ich in der hohen Version auch mehrere Jahre gefahren, das Modell musste ich umspritzen, gab´s nicht in rot. Bei dem Berg wäre die 24,5PS-Maschine an ihre Grenzen gekommen...

Ja, auch das passiert, davor ist niemand gefeit: eine Weiche macht Probleme, die Zungen legen sich nicht richtig an. Saubermachen, Schottersteinchen in der Mechanik suchen - alles in Ordnung. Antrieb defekt? Hilft alles nicht, er muss raus. Es ist eine jener Weichen, die einen oberiridischen Antrieb haben (kein Platz unter der Platte), also wird der Antrieb ausgebaut, inspiziert - wieder nichts. Er schaltet auf dem Schreibtisch völlig problemlos, wieder einbauen, wieder testen, wieder dieselben Kalamitäten. Am Ende, nach insgesamt zwei Stunden Fummelei an - natürlich - unmöglicher Stelle stellt sich heraus: der Decoder liefert zu wenig Strom für das zügige und kraftvolle Umstellen der Zunge, weil er parallel ein Relais mitbedient. Hätte ich bei geschickter Test-Strategie auch gleich zu Beginn feststellen können. Man lernt eben nie aus.

Die Moral von der Geschicht`? Die Weichen, bei denen ein Relais oder eine andere Weiche parallel mitläuft, werden nun über zwischengeschaltete Kfz-Relais geschaltet. Der Decoder muss also nur das kleine Relais aus der Autobranche betreiben (200mA), diese schaltet dann den großen Laststrom, und Strom gibt´s genug, so dass die Antriebe auch problemlos ihre Endlage erreichen. BTW: ich versuche immer, mit möglichst wenig Aufwand ans Ziel zu kommen. Zum Beispiel schalte ich einige Weichen zusammen, es stellen sich in einem Fall alle drei Weichen hinter einer Dreiwegeweiche zusammen um, einfacher als wenn jede einen eigenen Decoder braucht. Auch bei Gleisverbindungen usw. schalte ich die Weichen gemeinsam, da ist dann eine genügend hohe Stromstärke Bedingung für den reibungslosen Umlauf.

Eine endlose Geschichte, eigentlich auch eine traurige Geschichte, aber sie muss erzählt werden! Immerhin gab es ja doch noch ein Happy End. Es geht um meine geliebte P8, die Baureihe 38, einst das "Lebendige Denkmal der Preußischen Staatsbahn" - so Karl Ernst Maedel in den "Bekenntnissen eines Eisenbahnnarren". Ich hatte sie 2020 als eine der ersten Loks bestellt, beim Modellbahnshop Lippe. Das war am 31.10.2020. Schon wenige Tage später hielt ist das Prachtstück in den Händen (3.11.2020). Da zu dem Zeitpunkt nur wenige Meter Schienen zur Verfügung standen, konnte die Lok nur dann und wann mal ein paar Minuten laufen. Schon Mitte Januar, geschätzt nach maximal 20 Minuten Gesamtlaufzeit, begann das Maschinchen mit Ruckeln und ständigem Stehenbleiben. Natürlich habe ich den Fehler bei mir gesucht, habe die Gleise grundgereinigt, die Lokräder gereinigt - keine Änderung.


Schmuckstück!

Beim Durchklingeln habe ich dann festgestellt, dass sich das Tenderdrehgestell anscheinend von der Beteiligung an der Stromaufnahme verabschiedet hatte. Überhaupt hat dieser erste kritische Blick unter die Lok eine fatale Erkenntnis gebracht: die MÄRKLIN-Lok* war durch einen Schlicht-Umbau für das 2-Leiter-System und damit für die Marke TRIX* umgearbeitet worden. Während auf der einen Seite alle Räder Strom abnehmen, sind dies auf der anderen Seite nur die drei Treibräder, von denen eines einen Haftreifen trägt und ein weiteres ziemlich viele Freiheiten bei der Bewegung hat, also nicht immer auf dem Gleis aufliegt. Und statt nun wenigstens alle Räder des Schlepptenders mit in die Stromaufnahme einzubeziehen, hat man dies nur bei einem Drehgestell gemacht. Obwohl beide Drehgestelle baugleich sind und es somit eine Kleinigkeit gewesen wäre, alle acht Räder des Schlepptenders für die Stromaufnahme zu nutzen. Einfach eine miese Arbeit: Mittelschleifer ab, die Achsen isoliert und eben nicht auf jeder Seite Stromabnehmer eingebaut. So kann man es machen, sauber und handwerklich einwandfrei im Sinne eines störungsfreien Betriebs ist das nicht. Da hat man sich weit entfernt vom ursprüglichen Qualitätsanspruch. Schlampig - aber: es kommt noch besser!
*Für die nicht sachkundigen Leser: TRIX ist die Gleichstrommarke der Fa. MÄRKLIN. Im Klartext: die Loks und Wagen werden in der Regel für beide Systeme angeboten. Bei Wagen wird nur die Achse isoliert, denn Märklin fährt mit Mittelleiter, beide Schienen haben das selbst Potential. Bei Gleichstrom liegt an einem Profil PLUS, am andere MINUS, daher dürfen die Achsen die beiden Schienen nicht verbinden. Das umgeht man, in dem man auf einer Seite Räder mit isolierten Buchsen aufzieht oder aber Kunststoffachsen einbaut. Bei Märklin-Loks muss daher die Stromabnahme geändert werden, denn in der Regel sitzen nur auf einer Seite kleine Schleifer, die den Strom von den Rädern oder von der Achse abnehmen. Das muss nun auf der anderen Seite ebenfalls eingebaut werden, in der Tat ein etwas aufwändigerer Umbau, den man sich eben vereinfacht, in dem man das nicht für alle Räder macht. Kostet ja nur...

Ich habe die Lok dann als Reklamation nach Detmold zurückgeschickt (30.1.2021) und gebeten, bei TRIX nachzufragen, ob man nicht (bei Kostenübernahme meinerseits) das zweite Drehgestell am Schlepptender gegen eines mit Stromaufnahme tauschen kann. Mitte März habe ich beim Modellbahnshop Lippe nachgefragt, ob es Neuigkeiten über meine Lok gibt. Lippe hat seinerseits bei TRIX nachgehakt und dann kam die Lok Ende März tatsächlich nach Detmold zurück. Allerdings mit abgebrochenem Speisedom. Was tun? Beim Hersteller ausverkauft, beim Händler nicht mehr auf Lager - Detmold bot die Rückabwicklung des Kaufes an, das aber kam für mich nicht in Frage. Ich wollte diese Lok unbedingt haben! Also ging sie zurück ins Werk.


Eine echte Schönheit - P8

Am 14.6. (4 1/2 Monate nach dem Einschicken!) ist sie zurück, doch bei der Kontrolle stellen die Mitarbeiter vom Modellbahnshop Lippe fest, dass sie nur mit deutlichen Aussetzern fuhr, also ging sie erneut zurück. Am 26.7. (fast sechs Monate nach dem Einschicken!) kommt sie erneut in Detmold an, fährt jetzt gut - vorwärts. Rückwärts nur mit Aussetzern. DAS KANN DOCH NICHT WAHR SEIN! Was tun? Nach zweimal Überschlafen lasse ich die Lok erneut in Richtung Süddeutschland in Marsch setzen. Am 16.9. kündigt mir der Modellbahnshop Lippe per Mail um 12:54 Uhr erleichert an, dass die Loks auf dem Weg zu mir ist. Sie soll nun laufen. Und das tut sie. Der Blick unter die Haube zeigt: man hat ihr nun tatsächlich ein 2. Tenderdrehgestell mit Stromaufnahme spendiert, allerdings auch da denkt sich der Laie: beide Drehgestelle nehmen von derselben Schiene auf? Warum hat man das nicht so gemacht, dass alle acht Räder den Strom aufnehmen oder wenigstens jedes Drehgestell von einer anderen Schiene? Die Antwort ist so einfach wie deprimierend: dann hätte man ja ein zusätzliches Kabel in den Tender führen müssen - und das wäre ja wohl zu weit gegangen. Made in Germany - wo bist du geblieben? Ingenieursmäßige Qualitätsarbeit, Produkte die funktionieren, ein Prädikat, das uns mal groß gemacht hat, wo und wann und vor allem: WARUM ist dieser Anspruch über Bord gegangen?

Zusammenfassung: 7 1/2 Monate hat MÄTRIX gebraucht, um eine Lok in einen funktionsfähigen Zustand zu versetzen. Mit mehreren Irrungen und Wirrungen. Ein Schreiben meinerseits an die Firma ist bis heute unbeantwortet geblieben. Ich freue mich über die schöne Lok, doch es bleibt ein mehr als schaler Nachgeschmack. Erstens über die Billig-Umrüstung von Drei- auf Zweileiter, zweitens über die diletantischen Reparaturversuche, drittens über die lange Bearbeitungszeit und viertens über den Umgang (Nichtbeantwortung von Schriftsätzen) mit Kunden. Hätte mir der Modellbahnshop Lippe nicht sofort die automatische Verlängerung der Garantiezeit um die Reparaturzeit zugesichert - ich hätte die Lok sicher nicht mehr angenommen.

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