Das Bautagebuch - der Sommer ist da...

...und mit ihm das erste Gras - es fehlen (leider immer noch) Büsche und Bäume und und und - aber Timmerbruch wird eben nicht an einem Tag erbaut. Warum soll es dem Ort besser ergehen als Rom? Also! Immerhin sieht man schon deutliche Veränderungen...

Für mich immer wieder ein Wunder, was so ein paar Farbpigmente alles bewirken können. Hier auf meiner "Misch-Palette" (Kenner haben es erkannt, sonst wären sie ja auch keine Kenner: Edle Tropfen in Nuss - wenn man genügend davon isst, hat man auch genug Paletten. Ein paar wenige Grundfarben reichen aus, dazu ein paar Spritzer Spülmittel und viel Wasser. Dann geht´s los.

Und schon nach einer Viertelstunde ist die Welt eine andere. Wobei: die großen Flächen, die später einfach nur begrast werden sollen, habe ich mit preiswerter Dispersionsfarbe gestrichen. Einfach BRAUN, damit später nirgendwo WEISS durchblitzt.

Dann noch ein wenig Turf - wenn man sich jetzt kleine Büsche, Kraut und Bäume dazu denkt, ist das schon so etwas wie Landschaft, oder?

Da kann sich der Schienenbus (Standfoto) dann schon mal durchquälen...

Die V36 kann da natürlich nicht nachstehen - eine solche Lok fuhr früher schon auf der TRIX-Express-Bahn, allerdings bereits in der Gleichstrom-Ausführung. Mein Vater kannte die Baureihe aus Kriegstagen, sie wurde entwickelt, um in Munitionsdepots ohne offenes Feuer rangieren zu können und Bahnhöfe nicht durch die Dampfwolken rangierender Loks zu verraten. Genutzt hat´s wenig, denn der Reichsjägermeister hieß wegen seines vollmundigen Versprechens schon früh Meier und so wurden auch viele dieser Kriegslokomotiven durch Bombenangriffe zerstört. Ein paar haben überlebt, verstreut in aller Herren Länder. Für mich war das faszinierende Spiel von Stangenantrieb und Blindwelle immer ein echter Hingucker. Liebingslok, eine von vielen...

Eine wichtige Entscheidung rückt näher: das Bahnhofsgebäude! Was soll´s denn sein? Das besondere Problem ist mal wieder der Platz, denn es gibt keinen! Direkt hinter dem Bahnsteig ist Ende im Gelände, da muss die Hintergrundkulisse hin, denn ich will auf jeden Fall eine Zugangsmöglichkeit von hinten behalten. Anders komme ich sonst nur mit großem Aufwand an die Gleise in diesem Bereich. Es wird beim Halbrelief bleiben müssen, maximale Tiefe: schlanke 4cm. Das ist schon sportlich, bei diesem "Ausmaß" ein repräsentatives Bahnhofsgebäude anzudeuten, so wie es einem Ort wie Timmerbruch geziemt, immerhin früher ein wichtiger Bahnhof an eingleisiger Hauptstrecke mit zwei abzweigenden Neben-Strecken und hohem Güteraufkommen. Und: das Gebäude muss zur Ziegelarchitektur der übrigen Bebauung passen. Außerdem möchte ich nicht 100 Euro für einen Bausatz ausgeben, der dann sofort zersägt und nur zum Teil auf der Anlage wiederzufinden sein wird - es wird hier nur über ein brutales kitbashing gehen.


Schräger Verlauf der Hintergrundkulisse: "Revisionsschacht" in der linken Ecke

Die Entscheidung fällt für Calw von KIBRI. Zwar kein Ziegelbau, aber mit durchaus ähnlicher Struktur und sicher "umzuziegeln" - auch wenn es Andreas tief unten in seiner Schwarzwald-Seele schmerzt. Er hat mir über das Forum die spannende Geschichte des Bahnhofs nahe gebracht und mich dabei über die Buntsandsteinfassade des Gebäudes aufgeklärt. Denn natürlich fragt man doch bei Gleichgesinnten und Kennern um Hilfe bei schwierigen Problemen. Der Schwarzwaldbahnhof Calw, lange stillgelegt (die Strecke wird vielleicht demnächst wieder reaktiviert) hat ein wirklich imposantes Gebäude. Das frühere Schweinchenrosa des Modells - auf der Verpackung noch zu sehen - ist inzwischen einem braunen Lederrot gewichen. Naturstein und Ziegel - der wichtige Unterschied liegt in der großen Zahl unterschiedlich großer Steine, manchmal auch mit besonderer Form. Eben so wie sie aus dem Steinbruch für einen aufwändigen Bau geliefert werden können. Dadurch ist die Fassade sehr schön struktruiert. Mit der entsprechenden Farbe wird der Bau sicher auch als Ziegelarchitektur für den Betrachter akzeptabel. Ich gehe hier wie immer nach dem Könnte-Prinzip: könnte auch ein Ziegelbau sein, er wird auf jeden Fall zum restlichen Ensemble passen und die Sandsteine, trotz unterschiedlicher Form und Größe, gehen sicher widerspruchslos als Ziegel durch. Zumal auch bei repräsentativen Ziegelbauten Sondersteine verwendet wurden und die Bögen, Stürze und Friese von Calw deutlich an solche Ziersteine erinnern. Bei Andreas habe ich schon mal prophylaktisch um Verzeihung nachgesucht...

Dabei ist die wichtige Frage noch nicht geklärt, wie ich die einzelnen Gebäudeteile anordne. Zumal ich die Seitenfassade mit dem charakteristischen Erker so schön finde, dass ich sie auf jeden Fall als Bahnsteig-Front verwenden möchte. Erste Aufstellprobe der Fassadenteile.

Und so könnte es mit einem vorspringenden Mittelteil aussehen, quasi einer Art Bahnhofshalle. Denn der Bahnsteig ist ja dort, zwischen den beiden Stumpfgleisen, um einiges breiter. Würde dem Halb-Relief mehr Tiefe verleihen - mal sehen.

Parallel läuft die Geländeanpassung rechts und links des Bahnsteiges. Auch dort: kaum Platz für eine wirklich nachvollziehbare Entwicklung des Höhenprofils und dennoch die Notwendigkeit, eine Strecke im Nirgendwo verschwinden zu lassen.

Tunnelportal und Innenwände sind schon mal montiert, der sichtbare Holzbalken wird noch geschwärzt (mit schwarzer Dispersionsfarbe, einfach und spottbillig). Bei den Tunneleinfahrten halte ich es so, dass alles, was von außen sichtbar ist, rabenschwarz gestrichen wird. Der Zug kommt wirklich aus der dunklen Tiefe des Gebirges und die Frontlampen leuchten die Innenwände der Tunnelröhre an, darum sind die dort auch als solche gestaltet. Aber eben nur dort, wo man sie sieht, alles andere ist uninteressant und wird lediglich lichtdicht gebaut, damit im Inneren wirklich tiefe Finsternis herrscht. Modellbahner sind eben praktizierende Illusionisten!

Nun mit ersten vorgeformten Geländestrkturen. Schaun ´mer mal...

Auch hier geht es weiter: Gleisbildstellwerk, ihr erinnert euch? Vor einem Monat habe ich drei Test-Klebungen durchgeführt. Was hält das laminierte Gleisbild am besten auf der glatten Oberfläche? Uhu scheidet schon mal aus, der Alleskleber kann bei diesen beiden glatten Flächen keine haltbare Klebung garantieren, trotz Aufrauens. Einmal eine Ecke losgezuppelt, und schon kann man das Laminat einfach abziehen. Pattex ist unschlagbar, da ist ein Presslufthammer notwendig, aber die Vorlage ist eben auch schwierig zu positionieren. Entweder es passt auf Anhieb oder man kann alles wegschmeißen. Jede Art von Korrektur ist zum Scheitern verurteilt. Latex dagegen lässt Korrekturen zu, hält auch sehr gut, aber es ist eben nicht so bombenfest wie ein Kontaktkleber. Man kann es mit etwas Geduld losknibbeln und dann anschließend mit viel Kraft abziehen. Mit einem Rand rund um das Gleisbild sollte es aber gehen. Ich bin noch nicht sicher, was ich nutzen werde, derzeit tendiere ich zu Latex. Mal sehen. Den laminierten A3-Druck des Gleisbildes jedenfalls hat mir unser Copy-Center schon geliefert, genau so wie den Farbdruck für die Hintergrundkulisse.

Und auch dieses Problem wurde gelöst: Schaltung der Lichtsignale. Die Ausfahrsignale auf der Ostseite P1-P4 und P12 haben allesamt Vorsignale und Gleissperrsignale. Also ist klar, dass Sh1 nur bei Hp0 möglich ist und dass die Vorsignale nur dann leuchten, wenn Hp1 oder Hp2 gezeigt wird. Klar wie Kloßbrühe. Dazu kommt, dass P1 auch Hp1 zeigen kann, alle anderen nur Hp2 und als wäre das nicht genug, zeigt das Folgesignal Hp1 oder Hp2, je nach dem, wohin die Reise geht. Mithin müssen die Vorsignale auch brav Vr0, Vr 1 oder Vr 2 zeigen. Da steckt also eine Menge Logik drin, prima kompliziert und durch Elektronik einfach zu realisieren. Mein CAN-Bus, über den die Weichensteuerung im Bahnhof läuft, hat dafür passende Decoder. ABER: ein Decoder, der zwei dieser Ausfahrsignale schalten kann, der alle diese Bedingungen locker in die Tat umsetzen kann, kostet mal so eben schlanke 70€, andere Systeme sind nicht viel preiswerter (und dann hätte ich zu allem Überfluss eine weitere Decoder-Familie in Betrieb). Und: es gibt - natürlich - Lieferschwierigkeiten, weil wir als Modellbahner ja nicht systemrelevant sind. Für einige Bauteile wurde meinem CAN-Spezi 2023 als Lieferdatum angegeben. Dazu kommen dann natürlich noch Decoder, die die Tasten-Drücke in das System einspeisen, alles in allem bei fünf Signalen mehr als 300€ - nur um selbige korrekt stellen zu können. Dazu bieten diese Schaltungen natürlich jede Menge Gimmicks, so kann man "nachts" die Helligkeit herunterfahren (kann meine Schaltung auch, ein Widerstand für 10ct macht das über einen Schalter). Was ich nicht kann ist der typische Wechsel der Signalbilder. Da erlöschen ja beim Vorbild praktisch die Lampen und die neuen werden dann langsam heller. Eigentlich ein ärgerliches Problem, entstanden durch die unvermeidlichen Aufheizzeiten der Glühlampen, aber eben Vorbild. Darauf allerdings kann ich verzichten. Und die Kosten? Für ein Signal rund 10€, weil ich eben wegen der Vorsignalproblemaik jeweils ein Relais mit vier Wechslern brauche. Ganz großer Vorteil: wenn irgend etwas nicht richtig läuft, kann ich es selbst reparieren, bei Funktionsstörungen etwa im CAN-Bus bin ich auf externe Hilfe angewiesen. Die kommt zwar schnell, die Community ist sehr hilfsbereit, aber mir ist immer lieber, ich verstehe eine Fehlfunktion und weiß, wie man sie abstellt. Und da ist diese altbackene Schalterei über Relais unschlagbar. Etwas mehr Verdrahtungsaufwand, es gibt ja keinen Bus, aber sonst? Das Austüfteln jedenfalls hat mir großen Spaß gemacht. Gehirnakrobatik pur, und ich kann´s anscheinend immer noch!

Das Thema ist noch nicht zu Ende - aber es wird sicher noch ein paar Tage dauern ehe hier die nächsten Fotos und Texte erscheinen - also ab und an mal wieder hereinschauen..

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