Timmerbruch-Hafen

Hier der Gleisplan für die Erweiterung "in Arbeit", das aktuelle Modul. Drei Weichen und eine Segmentdrehscheibe am Ende. Vorn rechts soll ein kleines Stellpult hin, der Hafen wird von dort extern gesteuert. Links daneben soll einmal das Hafenbecken entstehen - aber das kommt ganz zuletzt. Erst einmal muss der Hafenbahnhof befahrbar gemacht werden.

Es ist immer wieder erschreckend, was da an elektrischer Installation zusammen kommt. Drei Weichenantriebe, ein parallel dazu laufendes Relais und die Segmentdrehscheibe - das war´s ja. Vier Leitungen verbinden die Straßen- und Hafenleuchten sowie die Gebäudebeleuchtung mit dem Rest der Anlage. Wobei: Gebäude wird es kaum geben, denn das hintere Gleis liegt nur ein paar Zentimeter vor der Anlagenkante. Allenfalls also Fassaden, keine 3-D-Bauten. Mal sehen, wie ich das hinbekomme. Aber auch darüber mache ich mir jetzt noch keine großen Gedanken, erst mal muss Strom auf die Gleise.

Wenige Tage später ist auch das in Arbeit: externes Stellpult für den Hafen. Wie immer: so einfach wie möglich: Ausdruck auf normalem Papier, laminiert mit der hauseigenen Apparatur und mit Pattex auf ein Stück Kunststoff geklebt - alles wie gehabt. Nun noch Schalter und LEDs einsetzen, alles hübsch verbinden - und dann funktioniert es (vielleicht).

Auch eine Verbindung mit dem Rest der Timmerbruch-Welt ist vonnöten. Das schafft eine 20polige Messersteckverbindung. Meine D-Sub-Stecker wären hier überfordert, die verwende ich ja sonst überall, wo es um den Anschluss von herausnehmbaren Anlagenteilen geht. Vorn am Übergang habe ich wieder meinen heißgeliebten Marine-Kleber verwendet: damit keine der beiden Anschlussschienen auch nur einen Gedanken daran verschwendet, sich hier auch nur im mikroskopischen Maßstab zu bewegen, sind beide Stümpfe mit Marinekleber praktisch einbetoniert worden. Da müsste sich schon der Untergrund bewegen, aber Erdbeben hat es in Timmerbruch seit Menschengedenken nicht gegeben und die üblen Setzungsbeben nach Ende des Bergbaus sind zum Stillstand gekommen. Also: das wird so bleiben. Aber wir waren ja bei der elektrischen Verbindung...

...und siehe da: die V 160 traut sich als erste auf das neue Terrain. Alles klappt, die Weichen lassen sich stellen - noch mit einem Experimentierkabel - aber es haut hin, genau wie geplant. Auch die Herzstückpolarität wird korrekt geschaltet, da hat der Elektriker gut und sauber gearbeitet. Bleibt noch das Ende...

...mit der Segmentdrehscheibe. So etwas habe ich noch nie eingebaut, entsprechend schwierig war es. Derzeit steuere ich die Drehscheibe analog. Der Servomotor fährt also durch zwei einfache Tasten gesteuert zwischen zwei Endstellungen hin und her. Die genaue Position an diesen Endstellen lässt sich mit der Servosteuerung sehr komfortabel einstellen. Da ich drei Abgänge habe, muss ich die Scheibe digital steuern, dann kann sie auch den mittleren Anschluss anfahren. Das mache ich später. Betrieblich komme ich mit den beiden äußeren Anschlüssen aus, die Drehscheibe dient ja nur zum Umsetzen der Lok. Irgendwann werde ich mich mal mit der digitalen Variante beschäftigen, die entsprechenden Leitungen sind bereits verlegt. Ich denke ja mit. Bis dahin wird auf dem mittleren Gleis eine Reparaturkolonne arbeiten...

Apropos Lok umsetzen: natürlich muss der Hafen von Timmerbruch aus angefahren werden, als Übergabe. Da dies für die amtliche Rangierlok - V36 - zusätzlich zu den anderen Aufgaben kaum zu bewältigen sein wird, hat die Bundesbahndirektion Düörpm seit dem 24.12. eine weitere Lok in Timmerbruch stationiert. Hat mir das Christkind unter den Baum gelegt, ich muss wohl brav gewesen sein: eine bandneue V60 von BRAWA, digital gesteuert, natürlich mit Sound und herrlich nagelndem Dieselmotor, wird die V36 unterstützen. Die V60 war lange Zeit die Universal-Rangiermaschine, ich habe sie unzählige Male gesehen (und verflucht), weil mir damals natürlich eine ausgewachsene 94 als Rangierlok im Dortmunderfeld viel lieber gewesen wäre. Aber sie war da, immer und überall. Und nun ist das Dreibein eben auch an der Timmer angekommen. Die Mini-Eisenbahnfotografen in Timmerbruch werden sich die Haare raufen....

So jedenfalls sieht´s am Jahresende aus: Gleise liegen, Drehscheibe läuft, Hintergrund-Untergrund ist montiert und das Hafenbecken wartet auf seine Erstwasserung. Da tut sich aber dieses Jahr nichts mehr...

Anderes Thema: in Modellbahnerwitzen ist immer die gestrenge Ehefrau der Hauptfeind des Protagonisten, ständig Streit weil die Expansionsgelüste des Hausherren dazu führen, dass die Göttergattin noch nicht einmal in der Badewanne ihre Ruhe hat- da hat der Hausherr eine Rundstrecke auf dem Rand verlegt - Karikatur aus einer alten MIBA. In der Realität ist es ganz anders, da ist der Staub der einzige ernst zu nehmende Gegner. Diesen "hauchdünnen" Belag fand ich auf dem Oberschrank, der sonst Teil V als Ruhestandort dient. Etwa die Ernte nach einem Jahr. Prophylaxe: beim Staubsaugen auf der Anlage (etwa nach dem Begrasen) oder unter der Anlage (etwa nach dem Bohren, Sägen oder anderen Tätigkeiten, die ja durchaus nicht zu Ende sind, wenn die Anlage oberiridisch "fertig" scheint) steht der eigentlich Staubsauger in einem anderen Raum. Die Saugleistung wird durch einen langen Schlauch in das Eisenbahnzimmer übertragen. Dadurch wird der unvermeidliche Feinstaub aus dem Feinstaubfilter vermieden, außerdem die Luftbewegung durch den großen Ventilator des Saugers. Zudem ist die Tür zum Eisenbahnzimmer fast immer geschlossen. Es ist also schon fast ein Reinraum. Geatmet werden darf noch, aber das ist auch schon das Äußerste. Auch eine Maskenpflicht besteht noch nicht. Aber Spaß beseite: wenn man ältere Modellbahnanlagen sieht, fällt der leichte Grauschleier auf, der sich auf die Welt gelegt hat. Staub ist einfach überall. Also ist Vermeidung das A und O, eine Entstaubung der kompletten Anlage ist äußerst komplex und muss daher so weit wie möglich hinausgeschoben werden.

Natürlich legt sich der Staub auch auf die Schienen und verschlechtert die Stromaufnahme. Früher war das ständige Anschieben und Anstoßen der Loks fast schon normal, heute geht man mit technischen Mitteln dagegen vor. So haben viele Triebfahrzeuge kleine Kondensatoren, die die Loks für wenigen Sekunden mit Strom versorgen, auch wenn der Schienenkontakt mal eben keinen Kontakt zulässt. Abrieb der Haftreifen, kleine Funken und nicht zuletzt winzige Ölspuren sorgen auf den Gleisen für Probleme. Daher also Ölen der Maschinen mit Augenmaß und (Wunsch): Verzicht auf Haftreifen - nicht einfach, weil man dann die Räder tauschen muss. Außerdem vor jedem Lok-Kauf kritischer Blick auf die Stromaufnahme, da sparen viele Hersteller am völlig falschen Ende. Eigentlich sollten möglichst alle Räder zur Stromaufnahme herangezogen werden. Das ist natürlich manchmal schwierig und daher teuer, dennoch machen diese Mehrkosten nur einen verschwindend kleinen Bruchteil der Herstellungskosten aus und erhöhen den Spielwert ungemein. Manchmal kann man nachbessern, manchmal aber ist von Beginn an Hopfen und Malz verloren. Ein Beispiel habe ich ja schon mal geschildert. Gegen Staub auf den Schienen, verirrte Sägespäne und verwehtes Gras ist seit einiger Zeit dieser Schienenstaubsauger unterwegs. Das Gerät bringt jedes Mal viel Saugmaterial mit, wenn es heulend und jaulend von einer Saugfahrt zurück kommt. Der Saug-Motor wird - natürlich - digital gesteuert, hat eine eigene Adresse und kann so in seiner Leistung den jeweils zu befahrenden Gleisen angepasst werden. Das etwas grobe Sieb in den Entlüftungsfenstern habe ich durch jene Luftfilter-Gaze ersetzt, die auch in Haushaltsstaubsaugern verwendet wird.
SUPER-Beitrag zum Ölen: HIER!

Manuelles Schienenreinigen ist auf der ganzen Anlage sehr gut möglich, darauf habe ich von Beginn an geachtet. Es gibt keine Stelle, die ich nicht erreichen kann. Für eine kleine Strecke hinter der Kulisse habe ich mir einen einfachen Reiniger gebaut, der hier als Armverlängerung dient: runder Holzstab, Scharnier und Holzklotz mit aufgeklebtem Filzpad. So kann ich auch das kurze Gleisstück hinter der Kulisse ohne Probleme erreichen.

Sonst werden die Gleise mit eben solchen Filzpads gereinigt, meistens mit einem Spritzer Brennspiritus, danach trocken im 2. Durchgang. Ich kann alle Gleise im unterirdischen Bereich auf diese Weise säubern, nicht wirklich bequem, aber es geht, da die Anlage durch die Spantenbauqweise unten ja mehr oder weniger offen ist. Bei Weichen passiert das ganz vorsichtig, die Zungenspitzen sind da besonders empfindlich. Was den Brennspiritus angeht: auf der Modellbahnwelt in Hamburg reinigen sie inzwischen mit Sidolin. Darüber muss ich noch nachdenken, denn nach dem Verdunsten von Sidolin bleibt ein bläulicher Fleck übrig während der Brennspiritus rückstandsfrei verdunstet. Aber Brennspiritus ist in HH tabu, seit denen 2001 beim Reinigen durch Funkenflug der Bahnhof Knuffingen in Brand geriet. Aber da sprechen wir ja auch über ganz andere Mengen. Und: wenn ich händisch reinige, gibt es keine Funken, dann ist niemand da, der fahren (und Funken produzieren) könnte. Zudem ist die Anlage stromlos geschaltet. Unten meine Filzkiste - dicke graue Filz (rechts) werden mit Brennspiritus oder Isopropanol getränkt, Nachwischen mit den dünnen weißen. Da sieht man dann auch genau, ob es gereicht hat.

Ich arbeite im Augenblick an einem Reinigungszug. Zwei einfache lange Güterwagen (Schiebewandwagen, gebraucht für´n Appel und ´n Ei gekauft) werden ihres Gehäuses und ihres Sprengwerkes beraubt - nur das reine Fahrgestell wird benötigt. Darauf kommt ein Stück Flacheisen, 4,5mm stark und 150g schwer (da lag hier noch ein Stück von einem anderem Projekt herum). Dadurch hat der Wagen ein gutes Gewicht und liegt stabil auf dem Gleis. Der eigentliche Reinigungsschlitten besteht ebenfalls aus diesem Flacheisen, ist mit 70 Gramm ausreichend schwer und kann sich durch die beiden Messingrohre frei auf und ab bewegen.

Das eigentliche Putzen besorgt ein normales fuselfreies Haushaltstuch, das auf einem Stück Filz aufliegt, der unter den Reinigungsschlitten geklebt ist. Vorn wird es durch ein Loch in den ersten Messingträger gefädelt und auf der anderen Seite - allerdings oben - auf ein Stück doppelseitiges Klebeband gepappt. So liegt das Tuch unter Spannung auf seiner Filzunterlage auf.

Es ist eine Glaubensfrage. In allen Foren, bei allen Treffen geht es hin und her, ich habe eine Unmenge darüber gelesen. Jeder hat eine eigene Strategie. Die einen schwören aufs Trockenreinigen. Die anderen wollen´s nass schaffen. Wobei auch sie sich nicht einig sind. Es gibt die polare Fraktion, die auf Brennspiritus, Isopropanol oder andere polare Lösungsmittel schwören, Flüssigkeiten, die auf Grund des hohen Dampfdruckes schnell und rückstandsfrei verdunsten (ich gehöre dazu!) - es gibt aber auch die Unpolaren, die es mit kurz- bis langkettigen Kohlenwasserstoffen versuchen. Für mich ein absolutes No-Go, weil am Ende ein öliger Film zurückbleibt, der weiteren Staub anzieht. Es gibt die Putzer wie mich, die es mit Baumwolltüchern und Filzen machen. Aber es gibt auch die Schleifer, die dem Schmutz mit Gleisradierern (enthalten Schleifmittel!) oder gar Schmirgelpapier zu Leibe rücken und damit die Schienen aufrauen - da freut sich der Schmutz über gute Möglichkeiten, sich nächstens so richtig fest zu verankern. Zehn Modellbahner und mindestens 15 Lösungen, mindestens. Unten mein Reinigungszug, da ist Power gefragt, die V200.1 muss ran!

So, das war´s für dieses Jahr, für 2022. Im Sinne des Textes oben: bleibt sauber, kommt gut ins neue Jahr! 2022 war ja echt zum Fürchten, wer hätte das vor 365 Tagen gedacht! Ein Krieg direkt vor unserer Haustür mit dramatischen Auswirkungen auf uns, auf die ganze Welt. Und in China, in Nordkorea und sogar auf dem Balkan rasselt man ebenfalls mit den Waffen - was für eine Welt. Wo wir doch ganz andere Probleme haben und alle unsere Kräfte bündeln müssten, um sie zu lösen. Forscher suchen ja immer noch nach dem Missung-Link, dem Verbindungsglied zwischen dem eher instinktgetriebenen Tier- und dem vernunftgesteuerten Menschenreich. Die derzeitige Menschheit zeigt deutlich: wir sind es selbst!

Ich wünsche euch allen trotzdem alles Gute für ein hoffentlich besseres 2023

Euer Kalle

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