Das Bautagebuch 2021 - Monat 3 - elektrisierend!

Apropos Löten: nun wird´s elektrisch! Hingen bisher die zahlreichen Kabel von Weichen und Gleisabschnitten einfach so aus der Anlage heraus, finden sie nun ihr Ziel. Zahlreiche Lötleisten fassen die Anschlüsse eines Bereiches zusammen und von hier geht es dann durch Kabelkanäle weiter zum Stellpult. Gleisabschnitte? Braucht man das denn in den schönen neuen digitalen Zeiten? Eigentlich nicht, denn digital gesteuerte Lokomotiven und Triebwagen erkennen einen Haltbefehl und bleiben dann exakt am angedachten Punkt stehen. Aber das ist etwas tricky zu programmieren und ich hatte mich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sehr viel mit der Digitaltechnik beschäftigt. Da immer nur eine Lok gleichzeitig auf Probefahrt unterwegs war, bestand noch nicht die Notwendigkeit, mich an das Programmieren zu wagen. Erst soll mal die Anlage her, dann kann alles andere kommen. Also bewege ich mich im Augenblick in der Zwischenwelt, steuere analog UND digital. Im Bereich des Schattenbahnhofes gibt es daher abschaltbare Gleisabschnitte. Und während ich die Weichen des Bahnhofs digital über den CAN-Bus steuern will...

...habe ich mich für die unterirdische Streckenführung an die einfache gute alte Steuerung über Stufenschalter erinnert. Eine total simple und daher sichere Schaltung, die Weichen erhalten ihren Strom über Weichengruppentasten und es gibt so eine zweite Barriere gegen Dauerstrom, zusätzlich zur Endabschaltung der Antriebe selbst. Da es leider heute keine "richtig großen" Stufenschalter mehr gibt - früher waren viele Ebenen mit vielen Stufen erhältlich - musste ich bei der Schaltung etwas tricksen.

Zwei Relais helfen dabei, die mangelnde Zahl von Stufen auszugleichen. Das obere Foto zeigt auch schon einen Teil der angedachten Blenden rings um die Anlage. Durch das Bullauge hat man einen Blick direkt auf das diagonal verlaufende Kehrschleifengleis des Schattenbahnhofs. Für mich nicht wichtig, aber meine Enkel können da die Loks direkt auf sich zufahren sehen - und die V160 von PIKO macht immer gerade dann den Lokführergruß - Auf- und Abblenden des Fernlichtes, da kommt echte Begeisterung auf! Steuern können die beiden die Loks inzwischen auch. Ich habe ein altes iPhone für sie programmiert, denn über das WLAN der Digitalzentrale kann ich auch Smartphones und Tablets zur Steuerung nutzen. Und da haben sie dann ihr eigenes Lokführerhaus mit den Tasten, die für sie wirklich wichtig sind: Licht, Glocke, Typhon - Glück kann so einfach sein.

Zum Kehrschleifengleis: das wird zur Zeit noch über den Loop von Roco gesteuert, klappt sehr gut. Problem war hier, dass ROCO zwei jeweils 4cm lange stromlose Sensorgleise für die Steuerung forderte. Vier Zentimeter - das ist länger als ein Herzstück und kann bei nicht ganz sauberen Gleisen dazu führen, dass ein Triebfahrzeug hängen bleibt. Bei Spur N - kleine Räder - reichen 2cm aus. Nach längerer Mail-Diskussion mit einem ROCO-Sachbearbeiter habe ich dann die Sensorgleise verkürzt und schalte zusätzlich die Kurschlusserkennung ein - so sollte es klappen. Tut es auch. Trotzdem werde ich das kritisch beobachten, denn noch kann ich das umbauen und ggf. auch wieder mit den Mitteln der guten alten Analog-Technik regeln. Für nicht fachlich vorgebildete Mitleser: bei einer Kehrschleife kommt es beim 2-Leiter-System zu einem Kurzschluss, da die außenliegende Schiene durch die Schleife nach innen kommt. Dem muss man vorbeugen, kann man auch, sogar ohne große Einbußen was den Komfort angeht. Zumal in einem Schattenbahnhof, wo ohnehin die meisten Züge stehen bleiben, um einen anderen Zug auf die Strecke zu lassen. Diesen Halt kann man prima mit dem Umpolen des Gleisabschnittes verbinden. Dann kommt man ohne die stromlosen Sensorgleise aus. Wie geschrieben: ich beobachte das mal eine Weile.

Löten - ja, das war eine böse Überraschung. Früher habe ich auch alles gelötet und nie Probleme gehabt - aber da gab es noch bleihaltiges Lötzinn. Ohne Blei ist das eine ganz andere Herausforderung. Und die Federstahl-Schienenverbinder von ROCO sind ohnehin eine Nummer für sich. Stahl ist für Schienenverbinder ein hervorragendes Material, aber löten? Zum Glück gibt es für solche Aufgaben Lötwasser, allerdings muss hier schon säurehaltiges Material her, dann klappt´s auch mit dem Federstahl! Nach dem Löten gibt´s dann eine Wäsche in Spülmittelwasser und Brennspiritus und zur Sicherheit auch noch in Waschbenzin. Sonst sind Korrosionsschäden vorhersehbar, damit kennt man sich als Skipper aus. Und für den Rest der Löterei: privat darf man noch mit bleihaltigem Lot arbeiten, und ich habe mir noch zwei dicke Rollen sichern können. Das sollte reichen.

Eine andere Herausforderung sind die Weichen, hier die Stromversorgung für das Herzstück. Mit dem Siegeszug der Digitaltechnik musste man das Problem Herzstück anders lösen. Wurde früher, wenn überhaupt, nur die Herzstückspitze mit Strom versorgt - oder eben auch nicht, war ja nur ein kleines Stückchen Schiene - so kam es nun zu ständigen Kurzschlüssen an den Flügelschienen. Diese "kurzen Kurzen" gab es früher auch, aber bis eine Sicherung ansprach war das Problem längst vorbei. Die modernen Digitalzentralen allerdings sind da nicht annähernd so langmütig. Daher hat man nun die Herzstückspitze und die Flügelschienen zu einer elektrischen Einheit zusammen gefasst, die damit aber so lang geworden ist, dass man um eine Stromversorgung nicht umhin kommt. Das besorgt ein Umschaltkontakt im Weichenantrieb. Aber den muss man mit den Gleisstücken verbinden - die drei grauen Kabel.

Eine etwas pisselige Arbeit, für die man sich Zeit nehmen sollte, genau so wie für das Festschrauben des Antriebs an der Weiche mit zwei winzigen Mini-Mini Schrauben. Die drei Kabel längt man möglichst genau ab, isoliert die Enden ab und dann...

...sieht es so aus. Ich bin gespannt, wie lange die Kontaktmuffen halten.

Die Schaltfunktion wird anschließend überprüft, dann kann die Weiche eingebaut werden.

Anschluss des Stellpultes an die Anlage. Weil das Stellpult klappbar ist und zudem vorgezogen werden kann, machen die Kabel eine Ehrenrunde. Dadurch werden die Lötstellen nicht durch das Bewegen der Kabel belastet. Hält dann (hoffentlich) länger. Eine Arbeit von etwa drei Tagen. Parallel werden die Anschlüsse dokumentiert, für den Fall der Fälle.

Und so sieht´s dann am Ende aus. Von hier aus kann man nun mit wenigen Handgriffen den Schattenbahnhof und die gesamte Strecke steuern. Einfach einfach.

Und den Blick bietet die Anlage Ende Januar 2021, nach nur drei Monaten Bauzeit: auf der 3. Ebene wird der Bahnhof entstehen, Timmerburch a.d. Timmer. Ob ich mit dem Bau des Bahnhofes noch in diesem Winter beginnen werde - keine Ahnung. Immerhin hoffen wir alle auf einen schönen Sommer, in dem uns Virus und Politik das Reisen erlauben. Dann würde Timmerbruch erst im Herbst aus der Taufe gehoben werden, schließlich gibt es noch genügend Arbeiten am Rande zu erledigen.

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